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12.09.19
Was bringen die geplanten Titel „Bachelor Professional“ und „Master Professional“?

Wenn der Gesetzentwurf die letzten Hürden nimmt, dann darf als Fachwirt, Meister oder Fachkaufmann ab 2020 der zusätzliche Titel „Bachelor Professional“ geführt werden. Ein Betriebswirt darf sich sogar „Master professional“ nennen. Der Sinn dahinter? Es soll klarer werden, dass die berufliche Weiterbildung den gleichen Stellenwert hat wie ein Studium. Aber ist das der richtige Weg? Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist davon überzeugt, dass so berufliche Aufstiegsweiterbildungen im Wert und Ansehen steigen.

Der Name allein bringt keine Änderung

Das Problem geht allerdings viel tiefer. In Deutschland zählt der, der ein Studium absolviert hat. Er verdient in vielen Fällen mehr, macht häufig die bessere Karriere. Das sind drei Irrglauben, die leider weit verbreitet sind. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Es gibt mehr Arbeitslose mit einem akademischen Titel als arbeitslose Facharbeiter, die eine berufliche Aufstiegsweiterbildung abgeschlossen haben. Erfolgreiche Unternehmer haben auch nicht immer zwingend studiert, sondern praktische Erfahrung gesammelt, dann ihren Meister, Fachwirt, Fachkaufmann oder Betriebswirt gemacht und ihr eigenes Unternehmen gegründet. Sicherlich gibt es Strukturen, wie Tarifverträge, bei denen Akademiker die Nase vorn haben, aber meist zu Unrecht. Denn hinter der beruflichen Qualifikation stecken mehrere Jahre Berufserfahrung, somit viel Know-How aus der Praxis.

Lehrer und Eltern müssen umdenken

Warum aber halten sich diese Irrglauben so hartnäckig? Viele Eltern und Lehrer scheinen häufig eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Bildungsmöglichkeiten der Kinder zu haben. Klar, der Lehrer hat selbst studiert und hält seine Seiteneinsteiger-Kollegen für weniger qualifiziert, natürlich empfiehlt er den Kindern dann das Studium. Die Eltern möchten natürlich auch, dass der Nachwuchs erfolgreich wird. Deshalb machen immer mehr Kinder das Abitur. Gleichzeitig steigt die Zahl der Studierenden, aber eben auch die Zahl der frühen Studienabbrecher. Denn Studieren ist nichts für jeden. Es sollte auf die eigenen Fähigkeiten und Neigungen geschaut werden und nicht auf den Elternwunsch.

Mehr Mut nicht zu studieren

Wenn also die Einstellung zum Studium und Nicht-Studium so grundlegend in unserer Gesellschaft verankert ist, was bringen dann neue Pseudo-Titel, die wie Studienabschlüsse klingen? Was wir brauchen ist ein Umdenken bei Eltern, Lehrern, Berufsberatern und Firmenchefs. Ein Titel sollte nicht ausschlaggebend sein für eine gutbezahlte Stelle, sondern die Qualifikation des Bewerbers. Häufig steckt im Lebenslauf eines Fachwirts, Meisters oder Betriebswirts viel mehr praktische Erfahrung als ein Student während seines gesamten Studiums, trotz Praktika, sammeln kann. Und genau diese Erfahrung sollte jeder, der eine berufliche Weiterbildung abgeschlossen hat, mit Stolz kommunizieren und sich entsprechend bei Bewerbungsgesprächen positionieren. Niemand muss sich schlecht fühlen, weil er kein Studium hat, im Gegenteil. Die berufliche Weiterbildung zeigt deutlich, dass derjenige bereit war verschiedene Hürden zu nehmen, um diese Qualifikation zu erreichen. Die Prüfung am Ende zu bestehen zeugt von Zielstrebigkeit und Disziplin, die ein guter Arbeitgeber zu schätzen weiß.

Das Team der BildungsAkademie Graf ist stolz auf jeden Absolventen und wünscht allen viel Erfolg.